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Patrizia Am Rhyn

Biografie

Patrizia Am Rhyn (weitere Schreibweise Patricia Amrhyn), (1868 bis 1934), Tochter von Walter Am Rhyn (2.5.1832–1904), Oberst, Offizier, 1871–1879 Luzerner Stadtrat/Bauwesen, und Caroline Schumacher.

Nach strenger Erziehung im vom Oberst-Vater geprägten, wohlhabenden Elternhaus entdeckte Patrizia Am Rhyn an einem humanistischen Töchterinstitut in den Bündner Bergen ihre Liebe zu Sprachen und anderen Kulturen. Sie hatte dort auch zum ersten Mal Kontakt mit der Geisteswelt des Nihilismus von Friedrich Nietzsche und bekannte sich in der Folge zum Atheismus. Ihre Mutter, die ihren Agnostizismus und ihren Wissenschaftsglauben von ihrem katholischen Mann verborgen gehalten hatte, sah bei ihrer Tochter das Talent und Potenzial, dem selbst nicht erfüllten Lebenstraum ungebundenen Forschens und Denkens nachgehen zu können. Sie ermöglichte und finanzierte aus eigenem Vermögen der noch sehr jungen Patrizia Am Rhyn verschiedene kurze Reisen innerhalb Europas, unter anderem nach Norddeutschland und ins Elsass. Anfang 1889 erfuhr Patrizia Am Rhyn von einer Bekannten ihrer Mutter, Margarete von Messenheim, dass ein gewisser d'Aciel Arbogast I eine Ausgrabungsexpedition nach Kairo plane. Nachdem deren Gatte Heinrich von Messenheim, der diese Expedition finanzierte, für den jungen Abenteurer bürgte, reiste Patrizia Am Rhyn nach Einwilligung der Mutter mit Arbogast nach Kairo. Von ihm hörte sie auf der Reise zum ersten Mal von Nienetwil und entschoss sich begeistert, später selbst Forschungen in diese Richtung zu betreiben. Aus Jux und angesteckt von Arbogasts Draufgängertum liess sie sich nach der Rückkehr in Luzern vom Fotografen Caspar Hirsbrunner in Wildwest-Kleidung und mit einem Vorderlader porträtieren.  

In den Jahren danach studierte Patrizia Am Rhyn zunächst in Flensburg und später in Uppsala Ethnologie, Linguistik und Nordistik. Fasziniert war sie insbesondere von der Bild- und Wortgewalt der nordischen Sagenwelt. Frei von jeglicher Art von Religiosität erkannte sie während der Auseinandersetzung mit den skandinavischen Mythen und Überlieferungen, dass alle Menschen, Tiere und Entitäten auf der Welt zusammenhängen und aufeinander bzw. miteinander wirken. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag schloss sie ihre Studien in Uppsala ab und kehrte nach Luzern zurück. Mit Arbogast hielt sie lockeren Briefkontakt und erfuhr so von seinen jeweiligen Forschungsreisen und Expeditionen.

Die Beziehung von Patrizia Am Rhyn und Arbogast fusste nach neueren Forschungen nicht allein auf der finanziellen Unterstützung, die sie Arbogast jeweils für seine Expeditionen zukommen liess. Es gibt verschiedene Anhaltspunkte wie etwa Briefe und Postkarten, die auf eine Amour fou der beiden hindeuten.

Noch nicht gesicherte bzw. weitere wichtige Lebensdaten:

1904: Beide Eltern von Patrizia Am Rhyn sterben.

1905: Arbogast porträtiert Patrizia Am Rhyn.

1922: Treffen mit Arbogast und eventuell Amot Nussquammer sen. in Wien oder Budapest.

1924: schenkt Patrizia Am Rhyn Arbogast einen Malkasten und kommentiert dies in einem Brief: «viel Glück und Freude» beim Malen.

Bilder von Patrizia Am Rhyn