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Kuku

kuku

Bedeutung

Spiel; kukut = spielen

In der Nienetwiler Kultur gab und gibt es, wie in anderen Kulturen auch, dutzende, ja hunderte Spiele. Doch sie wurden nicht «Spiel» genannt. Dass Kinder spielen hat nichts damit zu tun, dass sie Unterhaltung möchten – Die tragische Straftat Kinder mit etwas zu unterhalten, haben die Menschen der modernen Zeit erfunden – sondern aus einem ganz anderen Grund: Das Gehirn des Kindes ist am Anfang noch am Lernen, und kann, zumindest nach unseren Massstäben nur schlecht zwischen dem unterscheiden was in seiner Vorstellung geschieht und was in dem Vorgeht was wir Wirklichkeit nennen. Dass das Kind mit zunehmendem Alter mehr und mehr mit konkreten Fragestellungen konfrontiert wird führt dazu, dass es verschiedene Aspekte dessen was in ihm vorgeht hinterfragen muss, oder einfach beiseitelegt, weil es ihm beim Lösen eines Problems wenig oder gar nicht hilfreich ist. Das führt dazu, dass sich auch die die Art des Spiels ändert. Lernspiele, sportliche oder musikalische Spiele, Wettkampf und ähnliches treten an die Stelle des Versunken seins in eine innere Welt. Das Spiel das in den westlichen Kulturen, und unter deren Einfluss auch bei anderen als «eine Tätigkeitsform die zum Vergnügen, zur Entspannung, allein aus Freude an ihrer Ausübung, aber auch als Beruf ausgeführt werden kann» verstanden wird, grenzt sich so ab von einem mit sich und der Welt sein. Es ist eine Tätigkeit geworden, und ging als Zustand verloren. Ganz anders verhält es sich in der Nienetwiler Kultur und das ist noch heute deutlich bei vielen Skandaj zu beobachten. Das Wort kuku drückt daher nicht eine Tätigkeit aus, sondern ein Zustand des Eins seins mit Allem, dem Vernetzt sein mit Allem, und dem sammeln gadho aus.


Verzeichnisnummer

AL0269


Herkunft

Ur-Alaju. Wortstamm *kh- (spüren) + *ku- = Erforschen, erfahren. Vergl. Bantusprachen: kucheza


Trivia

Bei den Skandaj gibt es das Sprichwort: «matu.akukut.matra.hen,ta aieh.hen.matu;eta.hen.matu.aiehba.akukut:». Das bedeutet in etwa: «Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt». Dieses Sprichwort übernahm der deutsche Dichter Friedrich Schiller 1792 von dem Skandai Annuel Mikum der damals oft in Weimar zu Gast war und der sinniger Denker und guter Trinker in mehreren Tagebüchern und Briefen der damaligen Zeit Erwähnung fand. In einem Fragment der ersten Fassung der «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» dankt Schiller einem An.Mi. mit einem Kurzen "Dank dem Worthe An.Mi."

matu.akukut.matra.hen,ta.aieh.hen.mat];eta.hen.matu.aieh.ba.akukut:


Ch'apis

kuku


Quelle


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