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Gabe

Bedeutung

Sammlung von Möglichkeiten. Alle "Dinge"

In der Nienetwiler-Kultur gibt es kein Wort für Ding. Alles was existiert ist eine Sammlung von Möglichkeiten beeinflusst zu werden oder zu beeinflussen, diese oder jene Form anzunehmen, diese oder jene Tätigkeit auszuüben, dieses oder jenes zu lehren oder zu lernen. Alles was existiert ist somit auch Teil einer Sammlung zu der auch wir Menschen gehören.

Der von Bruno Latour geprägte Begriff "Mensch/Nicht-Mensch", kommt dem Verständnis der in der Nienetwiler-Sprache verwendeten Wortes gabe nahe. Allerdings verwenden die Skandaj den Begriff so, dass es keinen Unterschied macht ob etwas Mensch oder Nicht-Mensch ist. Alles was sich ändert ist, dass die Interaktion mit einem nicht humanoiden Wesen anders verläuft und es je nachdem anderer Fähigkeiten bedarf um mit dem Gegenüber zu kommunizieren, es zu beeinflussen, oder sich beeinflussen zu lassen.


Der Begriff ist zudem frei von Wertung. Eine Waffe ist grundsätzlich nur ein technisches Instrument, sie ist nicht "gut" oder "böse". Auch die Benutzung einer Waffe ist nicht "gut" oder "böse", beides Begriffe übrigens, die es in der Nienetwiler-Kultur nicht gibt. Es gibt aber selbstverständlich immer die Wahl der Möglichkeiten und die Abwägung, ob diese oder jene Wahl möglichst förderlich auf allen dynamischen Ebenen (Allen Akteuren/Zukunft/Möglichkeiten) ist, wenig förderlich, oder gar nicht förderlich. An der Waffe ändert das gar nichts. Das Schwert oder das Gewehr wurde zu einem bestimmten Zweck gebaut, und ob dieser Zweck förderlich war ist nocheinmal eine Abwägung. Also sind bei der Benutzung der Waffe bereits zwei Abwägungen in die Wahl der Möglichkeiten einzubeziehen. Aber auch das ändert nichts an der Waffe. Sie ist einfach da und hat Möglichkeiten, wurde und wird beeinflusst, und beeinflusst selber.

Im Atelier von d'Aciel Arbogast I stand ein riesiges uralter Zweihänder Schwert. Zu Miribal Ciséan sagte er einmal auf die Frage was das "Ding!" bei ihm zu suchen habe, "Das Schwert ist ein Meisterwerk seines Schmiedes, und es ist möglich, dass damit getötet wurde. Doch heute, vierhundert Jahre später ist es all dieser Schrecknisse ledig. Es ist nur ein Meisterwerk eines Schmiedes. Viele verbinden es vieleicht mit heroischen Taten von Rittern. Viele blenden aus, dass diese Ritter getötet haben, möglicherweise wegen nichtiger Dinge wie Religion oder Land. Sie blenden den Schmerz und das Leid aus. Sie blenden das Geschick des Schmiedes aus. Sie sehen nur das was sie für "Geschichte" halten. Ein Sammelsurium an seltsamen Vorstellungen, Unwissen und eigenen Träumen. Sagt das also nicht viel über den Menschen aus? Gaben sind einfach, wurden geschaffen oder wuchsen auf. Du bist eine gabe, ich bin eine gabe. Dieser Tisch und dieses Schwert sind eine gabe. Wir und sie bergen alle eine unerschöpfliche Sammlung an Möglichkeiten. Das "Ding" also die gabe ist eine Sammlung, ging aus einer Sammlung hervor und wird Teil vieler Sammlungen sein. Die meisten Menschen erkennen das nicht und sehen nur ein Schwert, einen Tisch, eine schöne junge Frau oder einen alten Knacker. Und deshalb steht das Schwert hier. Es erinnert mich, dass ich einerseits auch etwas anderes sein könnte, andererseits von diesen so, und von jenen so gesehen werde. Im Gegensatz zum Schwert, kann ich selber aktiv sein, und nicht nur als Spiegel für Möglichkeiten stehen, die jemand in sich sieht. Der Tisch wird nicht erst zum Tisch wenn sich jemand daran setzt. Er ist Tisch, wenn ihn jemand als Tisch erkennt, sein Potential. Er ist Teil einer Sammlung der Verhandlungen über seinen Platz in der sammlung voraus gingen. Ein putek wäre nun bestrebt dieses Potential über die eigentlichen Möglichkeiten des Tisches hinaus zu befördern. Das kann er indem er ihm Leben einhauch, Leben das uns anspricht, unsere Emotionen, unsere Phantasie. Ein Leben das aus uns mehr macht als jemand, der sich an ein Brett mit vier Beinen setzt. Der Schmied dieses Schwertes hat genau das gemacht. Er weckt nicht nur meine Bedenken, sondern auch meine Phantasie. Es will in die Hand genommen und geschwungen werden, und mein alter Körper nimmt es auf und hält es fest, viel zu schwach um es schwingen zu können. Der Geist ist nicht zu alt. Er schwingt, er sieht Potential, das weit über eine Waffe und einen Schaschlik-Spiess, oder den Preis für eine Antiquität hinausgeht. Und auch deshalb steht in meinem Atelier dieses Schwert, Miribal."


Zum weiteren Verständnis siehe hier und hier

Verzeichnisnummer

AL0210


Herkunft

Ur-Alaju. Wortstamm *ga- + *be-


Aussprache

Ch'apis

gabe


Quelle


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